Hintergrund
Sprache stärken, Zukunft gestalten
Seit Anfang des Jahres unterstützt Pia Rodekohr unser Therapeuten-Team als Logopädin. Im folgenden Interview spricht sie über die Notwendigkeit von Sprachtherapie, ihre Erfahrungen in der Arbeit mit unseren Kindern und darüber, warum Sprache weit mehr ist als nur
das gesprochene Wort. Ein Einblick in ihren Alltag – und in das, was sie unseren Kindern mit auf den Weg geben möchte.
Hallo Pia, welche Aufgaben hast du als Logopädin im Therapiezentrum?
Meine Aufgabe ist die logopädische Versorgung der uns anvertrauten Kinder. In Besprechungen überlegen die pädagogischen Kollegen und ich gemeinsam, bei welchen Kindern Sprachtherapie notwendig sein könnte. Dann vereinbaren wir einen Ersttermin, bei dem ich das Kind kennenlerne und einen ersten Eindruck über den Sprachstand erhalte. Wenn das Kind Auffälligkeiten zeigt, dann lade ich es einmal wöchentlich zur Sprachtherapie ein.
Mit welchen sprachlichen oder kommunikativen Herausforderungen kommen die Kinder am häufigsten zu dir?
Am häufigsten habe ich zurzeit Kinder, die zwar schon ganz ordentliche Sätze bilden können, aber nicht gut verstanden werden, weil sie manche Sprachlaute, zum Beispiel das R, noch nicht sagen können. Andere haben einen zu kleinen Wortschatz, Schwierigkeiten mit dem Sprachverständnis oder Probleme mit dem Satzbau.
Warum ist Sprachförderung für die Entwicklung von Kindern besonders wichtig?
Hier muss man unterscheiden zwischen Sprachförderung und Sprachtherapie. Sprachförderung sind auch alltägliche Dinge wie beispielsweise Bilderbücher anschauen oder gemeinsames Singen. Das sollte jedem Kind angeboten werden und findet auch in den Gruppen statt. Bei Kindern mit einer Sprachentwicklungsstörung reicht das jedoch nicht aus. Sie benötigen zusätzlich individuelle Sprachtherapie, um ihre sprachlichen Defizite ausgleichen zu können.
Was passiert, wenn sprachliche Auffälligkeiten nicht frühzeitig erkannt oder behandelt werden?
Im Kleinkindalter gelingt den Kindern der Spracherwerb am leichtesten. Wenn in dieser Zeit keine passende Förderung stattfindet und auch keine rechtzeitige Therapie begonnen wird, dann kann das ihre weitere Entwicklung langfristig beeinträchtigen. Es beeinflusst den Selbstwert eines Kindes erheblich, wenn es von anderen nicht verstanden oder sogar dafür geärgert wird, wie es spricht. Außerdem haben Kinder mit einer Sprachentwicklungsstörung ein höheres Risiko für Lese- und Rechtschreibprobleme in der Schule. Damit beeinflusst die frühe
Sprachentwicklung der Kinder ihren späteren Schulerfolg.
Warum ist konkret unser Therapiezentrum so wichtig?
Da die Kinder hier nur ein Zuhause auf Zeit haben, ist es schwieriger einen Therapieplatz für Logopädie zu finden. In den Praxen muss häufig mit einer langen Wartezeit gerechnet werden. Durch das eigene Therapiezentrum haben die Kinder im Kinderheim Kleine Strolche die Chance, frühzeitig Zugang zur benötigten Sprachtherapie zu erhalten.
Worin unterscheidet sich deine Arbeit im Kinderheim von der in einer logopädischen Praxis?
Ich denke, der wichtigste Unterschied ist, dass ich hier ohne Rezept/Verordnung arbeiten kann. Das ist möglich, weil die logopädische Versorgung im Kinderheim Kleine Strolche über Spenden finanziert wird. Ein anderer Unterschied ist, dass ich durch den Einblick in die Lebensgeschichten belastende Themen vermeiden oder besser darauf eingehen kann, wenn ein Kind etwas erzählt oder im Spiel verarbeitet.
Werden Therapieziele mit den pädagogischen Kollegen abgestimmt und im Alltag unterstützt? Wenn ja, wie?
Da unsere Kinder in Gruppen betreut werden, versuche ich möglichst ohne „Hausaufgaben“ zu arbeiten. Wenn es notwendig ist, dann übertrage ich den Kollegen aber auch mal kleine Aufgaben. Wenn ich zum Beispiel mit einem Kind einen Laut vollständig erarbeitet habe und es nun darum geht, dass auch im Kinderalltag daran erinnert werden soll, dann brauche ich die Hilfe der pädagogischen Kollegen. „Meinst du Hutsche oder Rutsche?“
Was freut dich persönlich besonders an deiner Arbeit?
Ich liebe die logopädische Arbeit mit Kindern. Es bereitet mir viel Freude, mit den Kindern zu spielen, zu arbeiten und sie in ihrer Entwicklung zu begleiten. Dieses Angebot bei den Kleinen Strolchen ist etwas ganz Besonderes und ich freue mich, dass ich diese Aufgabe machen darf.
Liebe Pia, vielen Dank für das Gespräch!

