Mutter und Kind Wohngruppen

Beim gemeinsamen Wohnen von Mutter und Kind in unserem Haus „Die Wiege“ handelt es sich um ein Angebot an werdende Mütter, unabhängig von ihrer Herkunft oder junge Frauen ab 14 Jahren mit einem oder zwei Kindern, die aufgrund ihrer eigenen Persönlichkeitsentwicklung diese Form der Unterstützung bei der Betreuung und Versorgung ihrer Kinder bedürfen.

Schwangeren oder jungen Müttern, die sich in prekären Lebenskonstellationen befanden, soll ein familiärer und sicherer Rahmen ermöglicht werden, in dem nicht nur biographische Krisen und soziale Ausgrenzungen, die sie mitunter vielfach erfahren haben, mit ihnen bewältigt werden, sondern in dem ihnen vergleichbare Zugänge zur sozialen Teilhabe eröffnet werden.

Dies setzt ein Wohnen von Mutter und Kind in einer geschützten Umgebung, die Sicherstellung einer bedarfsgerechten Erst- und Alltagsversorgung, eine diagnostische Abklärung, ggf. medizinische und therapeutische Hilfen sowie eine altersgerechte Beratung und Unterstützung zur Krisenbewältigung voraus. Dazu steht den Müttern eine erfahrene Hebamme sowie pädagogische, therapeutische und medizinische Mitarbeiter rund um die Uhr zur Seite.

In unserer Einrichtung wird ein gelebter respektvoller und freundlicher Umgang gepflegt, eine liebevolle Betreuung sichergestellt und für eine entspannte Atmosphäre gesorgt, die den Müttern und ihren Kindern Geborgenheit, Wertschätzung und Selbstvertrauen näherbringt.

Dazu stehen im Haus „Die Wiege“ für die Mütter und ihre Kinder eigene großzügige Schlafräume zur Verfügung. Jeweils zwei Mütter teilen sich in Form einer Gemeinschaft einen liebevoll gestalteten Wohnbereich mit eingerichteter Küche und einem Badezimmer, welches zusätzlich mit Kleinkindwaschbecken und Kindertoilette ausgestattet ist.

In einem großzügigen und altersgerecht eingerichteten Spiel- und Bewegungsraum können die Kinder bei schlechtem Wetter spielen und toben. Hier kann auch die strukturierte Tagesbetreuung durch pädagogische Fachkräfte stattfinden, während die jungen Mütter ihren Schulabschluss oder eine Ausbildung machen. Weiterhin bieten die Außenanlagen am Haus den Kindern bzw. Geschwisterkindern vielfältige Möglichkeiten zum Spielen und dem Erlernen lebenspraktischer Kompetenzen. Eine Kletteranlage mit Aussichtsturm, zahlreiche Kinderfahrzeuge, ein Trampolin und ein großer Sandkasten gehören u. a. dazu.

In der Nähe zum Haus befinden sich Bushaltestellen mit Buslinien nach Nienburg, Hoya oder Bremen. Der nächste Bahnhof ist ca. 16 km entfernt in Nienburg.

Ziele und Möglichkeiten

Die Hilfe richtet sich immer an zwei Generationen. Daher steht sowohl die Mutter als auch ihr Kind/ihre Kinder im Mittelpunkt, mit dem Ziel auch die Förderung des Kindes gleichwertig neben der Hilfe für die Mutter zu gewährleisten. Die emotionale Stabilisierung bildet eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich die jungen Mütter ihren Kindern offen zuwenden und feinfühlig auf deren Bedürfnisse reagieren können – eine Grundvoraussetzung für den Aufbau einer emotional sicheren Bindung von Mutter und Kind. Eine sichere Bindung gilt als wesentlicher Schutzfaktor für den gesamten Entwicklungsverlauf.

Durch unser überschaubar gewähltes Setting bieten wir den jungen Frauen die Chance einer korrigierenden Beziehungserfahrung. Oftmals haben die Mütter, die zu uns in die Einrichtung kommen, in der eigenen Kindheit Vernachlässigung, Missbrauch und Misshandlung erlebt, mussten Verluste wichtiger Bezugspersonen erleiden oder andere schwere Traumata. Unsere Traumatherapeutin bietet den jungen Frauen daher in regelmäßigen Gesprächen sowohl die Möglichkeit einer langfristigen Perspektivklärung, als auch die Aufarbeitung biographischer Belastungen sowie therapeutischer Einstellungs- und Verhaltensänderungen und steht im Bedarfsfall für akute Kriseninterventionen zur Verfügung. Auf Wunsch besteht zudem die Möglichkeit, den Partner oder die Herkunftsfamilie in Form von zusätzlich stattfindenden Paar- oder Elterngesprächen in die therapeutische Arbeit mit einzubeziehen.

Weitere Ziele sind das Erwerben lebenspraktischer und erzieherischer Fähigkeiten sowie das Erreichen eines Schulabschlusses oder das Absolvieren einer Ausbildung. Hier stehen unsere pädagogischen Mitarbeiterinnen den jungen Frauen jederzeit hilfreich und unterstützend zur Seite. Durch die konzeptionellen und räumlichen Gegebenheiten wird das Erlernen eines selbstständigen und eigenverantwortlichen Lebens gefördert. Es besteht die Möglichkeit, nach Maßgabe des Hilfeplanes in separaten Wohnungen für Mütter mit einem oder zwei Kindern außerhalb des Geländes Verselbstständigungsschritte zu erproben, und wir unterstützen gerne bei der anschließenden Suche nach einem eigenen Wohnraum oder Arbeitsplatz.

Die Mütter oder Schwangeren können aus ganz Deustchland bzw. aus ganz Niedersachsen, insbesondere aus dem Landkreis Diepholz, dem Landkreis Nienburg, dem Landkreis Verden, dem Landkreis Vechta, dem Landkreis Delmenhorst, der Stadt Hannover, der Region Hannover und der Stadt Bremen und dem Land Bremen zu uns kommen.

Rechtsgrundlage: § 19 SGB VIII, ggf. in Verbindung mit § 34 SGB VIII

Aufnahmealter: ab 14 Jahren

Aufnahmeausschluss: Nicht aufgenommen werden Mütter mit stärkeren geistigen und körperlichen Behinderungen. Es wird bewusst auf eine Aufzählung von Diagnosen nach dem ICD-10 als ausschließende Kriterien verzichtet. Allerdings können keine Mütter im Haus „Die Wiege“ gemeinsam mit ihren Kindern wohnen, die augenscheinlich einer intensiven psychiatrischen oder –psychologischen Betreuung bedürfen und sich massiv selbst- oder fremdgefährdend verhalten, was erkennbare schwere depressive Verstimmungen, Suizid- oder Suchtproblematiken aber auch stark aggressives Verhalten mit einschließt.