23. Dezember

Tag – Ein Zuhause auf Zeit

Wenn ich in die Gruppen komme, fühlt es sich jedes Mal ein bisschen so an, als würde ich kurz nach Hause kommen – in ein Zuhause, das viele Menschen gemeinsam tragen. Da sind Stimmen, Lachen, Bewegung, der Duft von Essen, Bastelmaterial, Waschmittel, Alltag. Da sind Kolleginnen und Kollegen, die zuhören, trösten, organisieren, lachen, aushalten. Die für die Kinder da sind –
und füreinander. Ich sehe so viel Mühe. So viel Geduld, so viel Liebe. Aber auch Erschöpfung, Zweifel, Sorge. Weil dieser Beruf eben beides ist: anstrengend und wunderschön zugleich. Ob in der Inobhutnahme oder in den Mutter-Kind-Wohngruppen – überall geht es darum, ein Stück Zuhause zu schaffen. Für Kinder, die Schutz brauchen. Für Mamas, die Halt suchen. Für Familien, die neu lernen, was Nähe bedeutet. Hier wird gekocht, getröstet, gestritten, gelacht. Hier werden Grenzen ausprobiert, Nähe gesucht, Vertrauen aufgebaut. Hier dürfen Kinder einfach Kind sein –
und Mamas dürfen wachsen, scheitern, weitermachen. Es ist wie Zuhause, nur ein bisschen anders. Lebendiger. Manchmal lauter. Und am Ende doch ein System, das funktionieren muss. Aber mittendrin, zwischen Routinen, Gesprächen, Tränen und Lachen, passiert das, worum es wirklich geht: Menschen erleben, dass sie wichtig sind. Dass sie sicher sind. Dass sie dazugehören. Vielleicht ist es nur ein Zuhause auf Zeit – aber für viele ist es das erste, das sich wirklich so anfühlt.